3.9. Das ruhige Herz

Bei den Übungen können manche nicht zur Ruhe kommen. Sie suchen nach Methoden, zur Ruhe zu kommen. Mancher fragte mich: Lehrer, warum kann ich bei den Übungen nicht zur Ruhe kommen? Kannst du mir irgendwelche Methoden oder Techniken beibringen, damit ich beim Meditieren im Lotussitz zur Ruhe kommen kann? Ich sagte: Wie könntest du zur Ruhe kommen?! Selbst wenn dir eine Gottheit irgendwelche Methoden beibringen würde, könntest du nicht zur Ruhe kommen. Warum? Weil dein Herz nicht rein und ruhig ist. Der Mensch lebt in dieser Gesellschaft. Du hältst an verschiedenen Gefühlen und Begierden, persönlichen Interessen aller Bereiche und sogar an denen deiner Verwandten und Freunde fest. Der Anteil solcher Dinge in deinem Kopf ist zu groß und ihr Stellenwert ist sehr hoch. Wie könntest du dann bei der Meditation zur Ruhe kommen? Selbst wenn du versuchst, sie zu unterdrücken, kommen sie von selbst wieder hoch.

Bei der Kultivierung im Buddhismus wird von „Gebot, Meditation und Weisheit“ geredet. „Gebot“ bedeutet, dass man alles, woran man festhält, aufgeben soll. Manche verwenden auch die Methode, den Namen eines Buddhas zu rezitieren. Beim Rezitieren muss man sich sehr konzentrieren, sodass alle anderen Gedanken durch einen Gedanken ersetzt werden. Das ist jedoch eine Art Fähigkeit und keine Methode. Wenn du das nicht glaubst, kannst du es mal ausprobieren. Während du den Namen des Buddhas rezitierst, kommen garantiert andere Gedanken wieder hoch. Früher musste man im tibetischen Lamaismus den Namen eines Buddhas täglich einige hunderttausend Male rezitieren, und das eine Woche lang. Danach wussten sie nicht mehr, wo ihnen der Kopf stand. Zum Schluss blieb ihnen nichts mehr im Kopf und alle anderen Gedanken wurden durch einen Gedanken ersetzt. Das ist aber eine Art Fähigkeit und du kannst das nicht unbedingt. Es gibt auch noch einige andere Methoden, in denen dir Dinge beigebracht werden wie: die Gedanken auf das Elixierfeld zu konzentrieren, zu zählen oder den Blick auf gewisse Dinge zu richten und so weiter. In Wirklichkeit kann dich all dies nicht zur absoluten Ruhe bringen. Praktizierende sollen nun einmal ein reines und ruhiges Herz haben, persönliche Interessen aufgeben und die Habgier loslassen.

Ob einer zur Ruhe kommen und sich in die Meditation versenken kann, spiegelt die Höhe seiner Fähigkeiten und seiner Ebene wider. Wenn einer sofort nach dem Hinsetzen zur Ruhe kommen kann, dann ist das eine Verkörperung seiner Ebene. Es macht nichts, wenn du jetzt noch nicht zur Ruhe kommen und dies noch nicht erreichen kannst. Du kannst das während der Kultivierung langsam erreichen. Die Xinxing erhöht sich allmählich und die Gong wächst auch allmählich. Aber wenn man die persönlichen Interessen und Begierden nicht leicht nimmt, kann das Gong nicht wachsen.

Praktizierende sollen sich jederzeit den hohen Maßstäben entsprechend fordern. Es gibt keinen Moment, in dem die Praktizierenden nicht von den verschiedenen komplizierten Erscheinungen der Gesellschaft, von den vielen vulgären und ungesunden Dingen und von den verschiedenen Gefühlen und Begierden gestört werden. Was im Fernsehen, im Kino und in den literarischen Werken verbreitet wird, führt dich dazu, ein Starker unter den alltäglichen Menschen sein zu wollen und ein realistischerer Mensch zu werden. Je weniger du dich aus diesen Dingen heraushalten kannst, desto weiter entfernt bist du von dem geistigen Niveau und der Xinxing eines Praktizierenden und desto weniger Gong wirst du bekommen. Ein Praktizierender soll möglichst wenig oder gar nicht mit diesen vulgären und ungesunden Dingen in Kontakt kommen. Er soll so etwas beim Schauen nicht sehen, beim Horchen nicht hören und sich nicht von anderen bewegen lassen; das Herz soll unbewegt bleiben. Ich sage oft, dass die Gedanken der alltäglichen Menschen mich nicht beeinflussen können. Wenn jemand gut über mich redet, freue ich mich nicht; wenn jemand mich beschimpft, ärgere ich mich auch nicht. Ganz gleich, wie schlimm die Störungen sind, die unter den alltäglichen Menschen auftauchen und die den moralischen Charakter testen, sie können mich nicht beeinflussen. Ein Praktizierender soll alle persönlichen Interessen in der Gesellschaft sehr leicht nehmen und sich nichts zu Herzen nehmen. Erst dann kann deine Absicht, das Tao erkennen zu wollen als ausgereift betrachtet werden. Wenn du nicht mehr nach Ruhm und persönlichen Interessen strebst, wenn Ruhm, persönliche Interessen und deine Position für dich gleichgültig sind, wirst du keinen Kummer, keinen Ärger mehr haben und dich psychisch immer in einem ausgeglichenen Zustand befinden. Wenn du alles loslassen kannst, wirst du auf natürliche Weise rein und ruhig.

Ich habe euch das Dafa erklärt, die fünf Übungen habe ich euch beigebracht und euren Körper in Ordnung gebracht. Ich habe das Falun und die „Qi-Mechanismen“ an euren Körper gesetzt. Meine Fashen werden euch auch noch beschützen. Alles, was euch gegeben werden sollte, wurde euch gegeben. Während des Kurses hängt es von mir ab, aber von nun an kommt es auf euch an. „Der Meister führt durch die Türe, aber die Kultivierung hängt von einem selbst ab.“ Solange ihr das Dafa gründlich studiert und versucht, es mit Leib und Seele zu erkennen, wenn ihr eure Xinxingjederzeit bewahrt, euch fleißig und wirklich kultiviert, die Leiden im Leiden ertragen und Unerträgliches ertragen könnt, dann denke ich, dass ihr mit Sicherheit Erfolg bei der Kultivierung erzielen werdet.

Kultivierung, es gibt Wege, Herz der Pfad

Dafa grenzenlos, Bitternis das Schiff